Ratgeber Heizung Aktualisiert: März 2026

Ölheizung Wirkungsgrad 2026: Brennwert, Niedertemperatur & Altkessel im Vergleich

Wie effizient ist Ihre Ölheizung wirklich? Der Jahresnutzungsgrad entscheidet, wie viel Heizöl Sie tatsächlich für Wärme nutzen – und wie viel den Schornstein hinaufgeht. Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede zwischen Altkessel, Niedertemperaturkessel und Brennwertkessel, zeigt eine konkrete Sparrechnung und sagt Ihnen, was das GEG 2026 von Ihnen verlangt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Alte Konstanttemperaturkessel erreichen nur 65–75 % Jahresnutzungsgrad – bis zu 35 % des Heizöls verpuffen ungenutzt.
  • Brennwertkessel holen 95–104 % heraus, weil sie die Kondensationswärme des Abgases zurückgewinnen.
  • Wer vom Altkessel auf Brennwerttechnik wechselt, spart im Einfamilienhaus 300–600 € pro Jahr an Heizölkosten.
  • Das GEG 2026 schreibt beim Neubau oder Heizungstausch 65 % erneuerbare Energie vor – ein reiner Öl-Brennwertkessel ohne Solarthermie ist nicht mehr zulässig.

Was bedeutet Wirkungsgrad bei einer Ölheizung?

Der Begriff „Wirkungsgrad" taucht in Datenblättern von Heizungen in verschiedenen Ausprägungen auf. Zwei davon sind für Hausbesitzer entscheidend: der Kesselwirkungsgrad und der Jahresnutzungsgrad.

Kesselwirkungsgrad

Der Kesselwirkungsgrad gibt an, wie viel Prozent der im Brennstoff enthaltenen Energie der Kessel unter Normalbedingungen in Wärme umwandelt. Er wird unter Laborbedingungen bei Nennlast gemessen. Ein moderner Kessel erreicht dabei hohe Werte – doch dieser Wert spiegelt nicht den Alltag wider, weil Heizkessel selten dauerhaft unter Volllast laufen.

Jahresnutzungsgrad (JNG)

Der Jahresnutzungsgrad erfasst die reale Effizienz über ein ganzes Heizjahr. Er berücksichtigt:

  • Teillastbetrieb: Der Kessel heizt in Frühling und Herbst nur kurz auf – schlechte Effizienzphasen häufen sich.
  • Bereitschaftsverluste: Auch wenn der Brenner aus ist, strahlt der heiße Kessel Wärme an den Heizungskeller ab.
  • Verrohrungsverluste: Ungedämmte Heizungsrohre im Keller geben einen Teil der Energie an die Raumluft ab.
  • Abgasverluste: Heiße Abgase tragen Energie in den Schornstein ab.

Der JNG ist die entscheidende Kennzahl, wenn Sie wissen wollen, wie viel Heizöl Sie tatsächlich bezahlen und wie viel davon wirklich Ihr Haus heizt. Alle Vergleichszahlen in diesem Artikel beziehen sich auf den Jahresnutzungsgrad, nicht auf den Kesselwirkungsgrad.

Heizwert vs. Brennwert – der Unterschied zählt

Heizöl enthält nach der Verbrennung Wasserdampf im Abgas. Der Heizwert (Hi) klammert die in diesem Dampf gespeicherte Kondensationswärme aus. Der Brennwert (Hs) bezieht sie ein. Für Heizöl EL liegt der Unterschied bei rund 6 %. Herstellerangaben für Brennwertkessel beziehen sich auf den Heizwert – deshalb erscheinen Wirkungsgrade von über 100 % rechnerisch möglich.

Die drei Kesseltypen im Überblick

Im deutschen Heizungskeller finden sich drei Generationen von Ölkesseln – mit sehr unterschiedlichen Wirkungsgraden.

Kesseltyp Jahresnutzungsgrad Typisches Baujahr Besonderheit
Konstanttemperaturkessel (Altkessel) 65–75 % vor 1994 Läuft dauerhaft auf 70–90 °C, auch im Sommer
Niedertemperaturkessel 85–90 % 1985–2010 Variable Kesseltemperatur, kein Kondensationsbetrieb
Brennwertkessel 95–104 % ab 1995 Nutzt Kondensationswärme des Abgases

Altkessel: 65–75 % Jahresnutzungsgrad

Konstanttemperaturkessel, die vor den 1990er-Jahren eingebaut wurden, heizen das Kesselwasser auf eine feste Temperatur von 70 bis 90 °C – unabhängig davon, wie kalt es draußen ist. Selbst an einem milden Herbsttag, wenn nur minimale Heizleistung gebraucht wird, hält der Kessel diese Temperatur. Das kostet Energie.

Hinzu kommen hohe Abgastemperaturen. Der Schornstein führt Abgas bei 150–200 °C ab – in dieser Wärme steckt viel ungenutzter Energiegehalt. Bereitschaftsverluste summieren sich, weil der Kessel auch in den Sommermonaten für die Warmwasserbereitung auf Temperatur gehalten wird.

Das Ergebnis: Von 100 Litern Heizöl, die Sie kaufen, landen im ungünstigsten Fall nur 65 Liter als nutzbare Raumwärme in Ihrem Haus. 35 Liter verpuffen als Wärme an die Umgebung oder in den Schornstein. Bei einem Jahresverbrauch von 3.000 Litern entspricht das 1.050 Litern verschwendetem Heizöl – allein durch die Ineffizienz des Kessels.

Niedertemperaturkessel: 85–90 % Jahresnutzungsgrad

Niedertemperaturkessel sind der direkte Nachfolger des Altkessels und kamen ab Mitte der 1980er-Jahre auf den Markt. Ihr Prinzip: Die Kesseltemperatur wird nicht auf einen fixen Wert gehalten, sondern gleitend an den Heizbedarf angepasst. Bei mildem Wetter sinkt die Vorlauftemperatur auf 35–50 °C. Das reduziert die Abgastemperatur und senkt die Bereitschaftsverluste spürbar.

Der Niedertemperaturkessel nutzt jedoch keine Kondensationswärme. Die Abgase verlassen den Kessel noch warm genug, damit kein Kondensat entsteht – das ist technisch gewollt, weil ältere Stahlkesselkonstruktionen durch saures Kondensat korrodieren würden. Abgastemperaturen von 80–120 °C sind typisch.

Im Vergleich zum Altkessel spart der Niedertemperaturkessel 15–25 Prozentpunkte Jahresnutzungsgrad ein – ein echter Fortschritt, aber kein Vergleich zur Brennwerttechnik. Niedertemperaturkessel sind heute keine Neuinstallation mehr wert; sie stehen in vielen Kellern noch als funktionstüchtige Anlagen.

Brennwertkessel: 95–104 % Jahresnutzungsgrad

Der Brennwertkessel ist die effizienteste verfügbare Technik für Ölheizungen. Er erreicht einen Jahresnutzungsgrad von 95 bis 104 % (bezogen auf den Heizwert), weil er einen Schritt weitergeht als der Niedertemperaturkessel: Er kühlt die Abgase so weit herunter, dass der enthaltene Wasserdampf kondensiert.

Bei der Kondensation gibt Wasserdampf Wärme ab – dieselbe Wärme, die aufgewendet wurde, um ihn beim Verbrennen des Heizöls zu erzeugen. Diese latente Kondensationswärme liegt für Heizöl bei rund 1.600 kJ/kg. Genau diese Energie gewinnt der Brennwertkessel zurück, anstatt sie über den Schornstein in die Außenluft zu verlieren.

Abgastemperaturen von 40–60 °C sind beim Brennwertkessel normal. Das Kondensat – leicht saures Wasser – läuft kontrolliert in den Abfluss. Der Schornstein muss wasserdicht und korrosionsbeständig sein; deshalb ist eine Kunststoff-Innenrohrsanierung des Schornsteins bei älteren Gebäuden fast immer erforderlich.

Wie Kondensation im Brennwertkessel funktioniert

Beim Verbrennen von Heizöl entsteht neben Kohlendioxid auch Wasserdampf. Dieser Wasserdampf trägt einen erheblichen Teil der Verbrennungsenergie in sich – als latente Wärme.

Im normalen Kessel verlässt dieser Dampf den Kessel als heißes Abgas. Im Brennwertkessel durchläuft das Abgas nach der Brennkammer einen zweiten Wärmetauscher, den sogenannten Kondensationswärmetauscher. Dort fließt das vergleichsweise kühle Rücklaufwasser aus dem Heizsystem entgegen. Das Abgas kühlt dabei unter den Taupunkt von etwa 47–57 °C (bei Heizöl). Der Wasserdampf kondensiert – und gibt dabei seine gespeicherte Energie an das Rücklaufwasser ab.

Schritt-für-Schritt: Kondensationsbetrieb

  1. 1Brenner verbrennt Heizöl. Temperatur im Brennraum: über 1.000 °C. Abgas enthält Wasserdampf.
  2. 2Erster Wärmetauscher überträgt Hauptwärme an das Heizwasser. Abgastemperatur fällt auf 80–100 °C.
  3. 3Zweiter Wärmetauscher (Kondensator): kühles Rücklaufwasser nimmt die restliche Abgaswärme auf. Abgas fällt unter den Taupunkt.
  4. 4Wasserdampf kondensiert und gibt latente Wärme frei. Kondensat (ca. 1–3 Liter/Stunde) fließt in den Abfluss.
  5. 5Abgastemperatur am Schornsteinkopf: 40–60 °C. Der Schornstein „raucht" sichtbar – das ist kondensierender Wasserdampf, kein Ruß.

Entscheidend ist: Der Kondensationsbetrieb funktioniert nur, wenn das Rücklaufwasser kühler als der Taupunkt des Abgases ist. Liegt die Rücklauftemperatur zu hoch, wird der Kondensationswärmetauscher nicht effektiv genutzt. Deshalb sind niedrige Systemtemperaturen die technische Grundvoraussetzung für einen Brennwertkessel.

Konkrete Sparrechnung: Altkessel vs. Brennwertkessel

Grundlage: Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnfläche, Jahreswärmebedarf 20.000 kWh, Heizölpreis 1,10 €/Liter (Basis März 2026). Heizöl hat einen Heizwert von rund 10 kWh/Liter.

Altkessel

Jahresnutzungsgrad: 70 %

Benötigte Energie: 20.000 ÷ 0,70 = 28.571 kWh

Ölverbrauch: 28.571 ÷ 10 = 2.857 Liter

3.143 €/Jahr

Heizölkosten

Niedertemperaturkessel

Jahresnutzungsgrad: 87 %

Benötigte Energie: 20.000 ÷ 0,87 = 22.989 kWh

Ölverbrauch: 22.989 ÷ 10 = 2.299 Liter

2.529 €/Jahr

Heizölkosten

Brennwertkessel

Jahresnutzungsgrad: 97 %

Benötigte Energie: 20.000 ÷ 0,97 = 20.619 kWh

Ölverbrauch: 20.619 ÷ 10 = 2.062 Liter

2.268 €/Jahr

Heizölkosten

Ersparnis im Vergleich zum Altkessel

Altkessel → Niedertemperaturkessel

614 €/Jahr

entspricht 558 Liter Heizöl weniger

Altkessel → Brennwertkessel

875 €/Jahr

entspricht 795 Liter Heizöl weniger

Hinweis: Die Rechnung ist eine vereinfachte Modellrechnung. Tatsächliche Einsparungen hängen von Gebäudedämmung, Heizverhalten, Warmwasserbedarf, Hydraulik und regionalen Heizölpreisen ab.

Voraussetzungen für einen Öl-Brennwertkessel

Ein Brennwertkessel ist nicht einfach ein Tausch des alten Kessels gegen ein neues Gerät. Er braucht die richtigen Rahmenbedingungen, damit der Kondensationsbetrieb auch wirklich läuft.

Niedrige Vorlauftemperatur

Die Rücklauftemperatur muss unter 57 °C liegen, damit der Kessel in den Kondensationsbetrieb geht. Fußbodenheizungen sind ideal (Vorlauf 30–45 °C). Bei Heizkörpern braucht es einen hydraulischen Abgleich und ggf. den Austausch alter Heizkörper, um die Vorlauftemperatur auf 55–60 °C abzusenken.

Kunststoff-Abgasanlage (Schornsteinsanierung)

Wegen der niedrigen Abgastemperaturen und des anfallenden sauren Kondensats muss der Schornstein wasserdicht und säurebeständig sein. Gemauerte Schornsteine brauchen in der Regel ein Kunststoff-Innenrohr (Liner). Diese Schornsteinsanierung kostet 1.000–2.500 € und ist in den Gesamtkosten einzuplanen. Der Schornsteinfeger prüft und nimmt die Anlage ab.

Kondensatableitung

Der Brennwertkessel produziert täglich 1–3 Liter saures Kondensat (pH-Wert 3–4). Dieses muss über eine geeignete Leitung in den Abfluss geführt werden. Bei größeren Anlagen schreiben einige Gemeinden eine Neutralisationsanlage vor, die das Kondensat auf pH 6,5–9 anhebt, bevor es ins Abwasser geht.

Hydraulischer Abgleich

Ein hydraulischer Abgleich stellt sicher, dass alle Heizkörper gleichmäßig mit warmem Wasser versorgt werden und die Vorlauftemperatur so niedrig wie möglich gehalten werden kann. Er ist nach GEG bei Kesseltausch in Gebäuden mit mindestens 6 Wohneinheiten vorgeschrieben und in Einfamilienhäusern eine sinnvolle Investition von 300–600 €.

Kosten und Amortisation

Die Investition in einen Öl-Brennwertkessel ist höher als beim Niedertemperaturkessel, aber durch die Energieeinsparung in wenigen Jahren amortisiert.

Kostenposition Niedertemperaturkessel Öl-Brennwertkessel
Kessel (Gerät) 1.500–3.000 € 2.500–5.000 €
Montage & Einstellung 1.000–2.000 € 1.500–2.500 €
Schornsteinsanierung (Liner) 1.000–2.500 €
Hydraulischer Abgleich 300–600 € 300–600 €
Gesamtkosten (typisch) 3.500–5.500 € 6.000–10.000 €

Der Mehrpreis des Brennwertkessels gegenüber dem Niedertemperaturkessel liegt bei rund 3.000–5.000 €. Bei einer jährlichen Heizölersparnis von 250–300 Litern (275–330 € bei 1,10 €/Liter) amortisiert sich die Mehrinvestition in 9–18 Jahren.

Wer vom Altkessel auf den Brennwertkessel wechselt, erzielt höhere Einsparungen von 800–900 Litern pro Jahr (880–990 € bei 1,10 €/Liter) und kommt auf eine Amortisationszeit von 7–10 Jahren.

Wartungskosten

Brennwertkessel benötigen eine jährliche Wartung durch einen Fachbetrieb. Die Kosten liegen bei 200–350 € pro Jahr. Dabei werden Brenner, Filter, Elektroden und der Kondensationsweg gereinigt. Regelmäßige Wartung sichert den optimalen Wirkungsgrad und ist für die Herstellergarantie Voraussetzung.

Kombination mit Solarthermie

Ein Öl-Brennwertkessel und eine Solarthermieanlage ergänzen sich technisch sehr gut. Die Solarthermie deckt im Sommer einen Teil der Warmwasserbereitung ab und entlastet den Kessel in den Übergangsmonaten. Das senkt die Betriebsstunden des Brenners und damit auch den Verschleiß.

Für ein Einfamilienhaus mit 4 Personen sind 8–12 m² Kollektorfläche (Flachkollektoren) und ein 300–400-Liter-Kombispeicher die typische Dimensionierung. Die Solarthermieanlage übernimmt je nach Standort und Ausrichtung 50–65 % des Warmwasserbedarfs und 15–25 % des Heizwärmebedarfs.

Kostenseitig liegt eine Solarthermieanlage komplett eingebaut bei 5.000–8.000 €. Die BAFA fördert Solarthermie mit dem Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) mit bis zu 25 % Investitionszuschuss. In Kombination mit dem Öl-Brennwertkessel als primärer Wärmeerzeuger erfüllt diese Konfiguration außerdem die GEG-Anforderung für den Anteil erneuerbarer Energien.

Vorteile dieser Kombination

  • GEG-konform durch Erneuerbare-Energien-Anteil
  • Heizölbedarf sinkt um weitere 15–25 %
  • Geringere Brennerstarts verlängern Lebensdauer
  • BAFA-Förderung bis 25 % verfügbar

Zu beachten

  • Pufferspeicher benötigt zusätzlichen Platz im Keller
  • Geeignete Dachorientierung (Süd bis Südwest) nötig
  • Hydraulische Integration erfordert Fachplanung
  • Längere Amortisationszeit durch höhere Investition

GEG-Anforderungen 2026

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) regelt in Deutschland, welche Heizungen eingebaut werden dürfen und welche ausgetauscht werden müssen. Für Ölheizungen sind 2026 folgende Punkte relevant:

65-%-Erneuerbare-Pflicht bei Neubau und Heizungstausch

Wer im Neubau oder nach einem defektbedingten Heizungstausch eine neue Heizung einbaut, muss sicherstellen, dass diese mindestens 65 % des Wärmebedarfs aus erneuerbaren Energien deckt. Ein reiner Öl-Brennwertkessel ohne Ergänzung erfüllt diese Anforderung nicht. Die Kombination mit einer Solarthermieanlage oder die Nutzung von biogenen Brennstoffen (zum Beispiel HVO – hydrotreated vegetable oil) kann die Anforderung erfüllen.

Austauschpflicht für Altkessel nach § 72 GEG

Konstanttemperaturkessel, die älter als 30 Jahre sind, dürfen nicht weiter betrieben werden. Diese Pflicht besteht seit 2002 und wird durch den Schornsteinfeger überprüft. Ausgenommen sind selbst bewohnende Eigentümer, die ihr Haus vor dem 1. Februar 2002 bewohnt haben – diese Ausnahme endet beim Verkauf oder Eigentumsübergang.

Niedertemperatur- und Brennwertkessel dürfen weiter laufen

Bestehende Niedertemperatur- und Brennwertkessel unterliegen keiner allgemeinen Austauschpflicht und dürfen bis zum Ende ihrer technischen Lebensdauer betrieben werden. Ein freiwilliger Tausch aus Effizienzgründen lohnt sich jedoch, wenn das Gerät älter als 15–20 Jahre ist.

Hydraulischer Abgleich bei Kesseltausch in größeren Gebäuden

Beim Austausch eines Kessels in Gebäuden mit mindestens 6 Wohneinheiten schreibt das GEG einen hydraulischen Abgleich vor. In kleineren Gebäuden ist er nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber als Bestandteil einer ordentlichen Installation unbedingt zu empfehlen.

Praxishinweis für 2026

Wer 2026 seinen alten Ölkessel tauschen muss oder will, steht vor einer strategischen Entscheidung: Öl-Brennwertkessel mit Solarthermie (GEG-konform, hohe Investition, kürzere Lebensdauer als Wärmepumpe), oder direkter Wechsel auf eine Wärmepumpe (langfristig zukunftssicherer, höhere Förderung durch BEG). Die Wärmepumpe ist in gut gedämmten Gebäuden inzwischen die wirtschaftlichere Wahl; in schlecht gedämmten Altbauten mit Hochtemperaturheizkörpern bleibt der Öl-Brennwertkessel mit Solarthermie eine realistische Option.

Fazit und Empfehlung

Der Wirkungsgrad Ihrer Ölheizung bestimmt direkt, wie viel Heizöl Sie kaufen müssen. Die Unterschiede zwischen den Kesseltypen sind erheblich: Ein Altkessel verschwendet bis zu 35 % des Energiegehalts, ein Brennwertkessel hingegen nur 3–5 %. Das ist keine marginale Verbesserung, sondern ein Unterschied von bis zu 900 Litern Heizöl pro Jahr – in einem normalen Einfamilienhaus.

Wenn Ihr Konstanttemperaturkessel 30 Jahre oder älter ist, haben Sie keine Wahl: Er muss nach GEG raus. Dann stellt sich die Frage, wohin die Reise geht. Ein Öl-Brennwertkessel mit Solarthermie ist die konservative Wahl – er nutzt die bestehende Öltankinfrastruktur und bringt sofort hohe Effizienz. Langfristig steigen jedoch die CO2-Kosten auf Heizöl weiter, und das GEG verschärft die Anforderungen schrittweise.

Wer einen funktionierenden Niedertemperaturkessel betreibt, der noch keine 20 Jahre alt ist, sollte nicht überstürzt tauschen. Eine Wartung und Optimierung der Einstellparameter, der hydraulische Abgleich und eine gute Dämmung bringen oft mehr als ein spontaner Kesseltausch.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kesselwirkungsgrad und Jahresnutzungsgrad?
Der Kesselwirkungsgrad misst die Effizienz des Kessels allein – unter Laborbedingungen und bei Nennlast. Der Jahresnutzungsgrad (JNG) erfasst dagegen den gesamten Heizbetrieb über ein Jahr, einschließlich Teillastphasen, Bereitschaftsverluste und Wärmeverluste der Rohre. Der JNG ist die praxisrelevante Kennzahl. Alte Konstanttemperaturkessel erreichen einen JNG von 65–75 %, obwohl ihr Kesselwirkungsgrad auf dem Typschild höher steht.
Wie kann ein Brennwertkessel mehr als 100 % Wirkungsgrad erreichen?
Die Angabe bezieht sich auf den Heizwert (Hi) des Heizöls, nicht den Brennwert (Hs). Der Heizwert klammert die Kondensationswärme des Abgases aus. Ein Brennwertkessel gewinnt genau diese Wärme zurück, indem er den Wasserdampf im Abgas unter den Taupunkt kühlt und kondensiert. Bezogen auf den Heizwert ergibt das rechnerisch Wirkungsgrade über 100 %. Tatsächlich wird keine Energie aus dem Nichts erzeugt – die Gesamteffizienz liegt bei rund 95–98 % des tatsächlichen Energiegehalts.
Lohnt sich der Tausch eines Niedertemperaturkessels gegen einen Brennwertkessel?
In den meisten Fällen ja. Ein typisches Einfamilienhaus mit 15.000 kWh Jahreswärmebedarf spart beim Wechsel vom Niedertemperaturkessel zum Brennwertkessel rund 1.000–1.500 kWh Heizöl pro Jahr. Bei einem Heizölpreis von 1,10 €/Liter entspricht das etwa 110–165 € pro Jahr. Ist der Niedertemperaturkessel ohnehin am Ende seiner Lebensdauer, ist der Mehrpreis für Brennwerttechnik von ca. 1.000–2.000 € in 8–12 Jahren amortisiert.
Welche Vorlauftemperatur braucht ein Brennwertkessel?
Damit der Brennwertkessel im Kondensationsbetrieb läuft, muss die Rücklauftemperatur unter 57 °C liegen. Ideal sind Rücklauftemperaturen von 30–45 °C. Das erreichen Fußbodenheizungen von Haus aus. Bei Heizkörpern ist oft ein hydraulischer Abgleich nötig, um die Vorlauftemperatur auf 55–60 °C abzusenken. Wer eine reine 75/60-°C-Anlage mit alten Gussheizkörpern betreibt, verliert einen Teil des Kondensationsvorteils.
Darf ich 2026 noch einen Öl-Brennwertkessel einbauen?
Ja, aber mit Einschränkungen. Das GEG schreibt vor, dass ab 2026 neu eingebaute Heizungen mindestens 65 % ihrer Wärme aus erneuerbaren Energien beziehen müssen. Für einen Öl-Brennwertkessel bedeutet das: Er benötigt eine Ergänzung, zum Beispiel durch Solarthermie (mindestens 15 % des Wärmebedarfs) oder durch Beimischung biogener Brennstoffe. Reine Ölheizungen ohne erneuerbare Komponente sind in Neubauten und bei Heizungstausch grundsätzlich nicht mehr zulässig.
Was kostet ein Öl-Brennwertkessel komplett eingebaut?
Die Gesamtkosten liegen 2026 zwischen 6.000 und 10.000 Euro für ein Einfamilienhaus. Das umfasst Kessel (2.500–5.000 €), Regelung, Abgasanlage aus Kunststoff-Inliner (1.000–2.500 €) sowie Montage und Einstellung (1.500–2.500 €). Kommt eine neue Solarthermieanlage hinzu, erhöhen sich die Kosten um weitere 5.000–8.000 €, die aber durch BAFA-Förderung (bis zu 25 % der förderfähigen Kosten) teilweise gedeckt werden.
Muss mein alter Ölkessel jetzt sofort getauscht werden?
Konstanttemperaturkessel, die älter als 30 Jahre sind, unterliegen der Austauschpflicht nach § 72 GEG. Ausnahmen gelten für Eigentümer, die ihr Haus selbst bewohnen und vor dem 1. Februar 2002 Eigentümer waren – diese Ausnahme gilt bis zum Eigentümerwechsel. Niedertemperatur- und Brennwertkessel sind von der Austauschpflicht nicht betroffen. Ein Blick auf das Typschild verrät Baujahr und Kesseltyp; der Schornsteinfeger überprüft dies bei der jährlichen Abnahme. Alle weiteren GEG-Regelungen für Bestandsheizungen fasst der Ratgeber GEG 2026: Was Ölheizungsbesitzer wissen müssen zusammen.

Stand: März 2026. Alle Preis- und Effizienzangaben sind Richtwerte auf Basis aktueller Marktdaten und einschlägiger technischer Literatur (DIN EN 15316, GEG 2024 i.d.F. 2025). Individuelle Ergebnisse können abweichen. Für verbindliche Aussagen zu Ihrem Heizsystem beauftragen Sie einen zugelassenen Heizungsbaufachbetrieb oder einen unabhängigen Energieberater (BAFA-Liste).