Was ist Flüssiggas?
Flüssiggas – im Handel und in der Norm als LPG (Liquefied Petroleum Gas) bezeichnet – besteht aus einem Gemisch aus Propan (C₃H₈) und Butan (C₄H₁₀). Das Mischungsverhältnis variiert je nach Anwendung und Jahreszeit: Für Heizzwecke in Deutschland ist reines Propan (100 %) oder ein Propan-schweres Gemisch (ca. 60 % Propan, 40 % Butan) üblich. Im Sommer kann der Butananteil steigen, da Butan bei Minustemperaturen seinen Dampfdruck verliert und dann nicht mehr zuverlässig verdampft.
Flüssiggas fällt bei der Rohölverarbeitung als Nebenprodukt in der Raffinerie an – ebenso wie Heizöl. Unter geringem Druck (8–16 bar bei Propan) wird es flüssig, nimmt dann nur noch ein 260stel seines gasförmigen Volumens ein und lässt sich so platzsparend in Tanks lagern. Im Tank liegt es flüssig vor; an der Heizung wird es gasförmig entnommen und verbrannt.
Zusammensetzung Flüssiggas (Heizanwendung)
60 %
Propan (C₃H₈)
geeignet bis -42 °C Außentemperatur
40 %
Butan (C₄H₁₀)
verliert unter -1 °C seinen Dampfdruck
Heizöl EL (Extra Leicht) ist ein Destillationsprodukt aus Rohöl, das hauptsächlich aus C9- bis C20-Kohlenwasserstoffen besteht. Es wird flüssig gelagert und direkt in die Brennkammer des Kessels eingespritzt, wo es zerstäubt und verbrannt wird. Heizöl ist brennbar, leicht feuergefährlich und gehört zur Wassergefährdungsklasse 2 – das hat praktische Konsequenzen für Lagerung und Aufstellung.
Heizwert-Vergleich: Propan vs. Heizöl EL
Der Heizwert (unterer Heizwert Hu) gibt an, wie viel nutzbare Wärme bei der vollständigen Verbrennung eines Brennstoffs freigesetzt wird – ohne Kondensation des Wasserdampfs in den Abgasen. Brennwertkessel nutzen zusätzlich die Kondensationswärme (oberer Heizwert Hs) und erreichen damit Wirkungsgrade über 100 % bezogen auf Hu.
| Brennstoff | Heizwert Hu (kWh/kg) | Heizwert Hu (kWh/L) | Dichte |
|---|---|---|---|
| Propan (100 %) | 12,87 kWh/kg | 6,57 kWh/L | 0,51 kg/L |
| Butan (100 %) | 12,69 kWh/kg | 7,37 kWh/L | 0,58 kg/L |
| Heizöl EL | 11,86 kWh/kg | 10,00 kWh/L | 0,84 kg/L |
| Erdgas H (Vgl.) | 13,90 kWh/kg | 10,35 kWh/m³ | 0,72 kg/m³ |
Kosten pro kWh: Flüssiggas vs. Heizöl 2026
Die Preise für beide Energieträger schwanken monatlich und regional. Die folgenden Werte sind Richtwerte auf Basis von Marktdaten aus dem ersten Quartal 2026 für ein typisches Einfamilienhaus mit einer Jahresabnahme von 1.500–2.000 Litern Heizöl bzw. 800–1.200 kg Propan.
0,70–0,90 €
pro kg (inkl. MwSt., frei Haus)
Umgerechnet pro kWh:
0,054–0,070 €/kWh
0,95–1,15 €
pro Liter (inkl. MwSt., frei Haus)
Umgerechnet pro kWh:
0,095–0,115 €/kWh
Der Unterschied erscheint groß – doch er erklärt sich auch durch die CO₂-Bepreisung. Ab 2026 liegt der CO₂-Preis im Korridor von 55–65 Euro pro Tonne. Da Heizöl pro kWh mehr CO₂ emittiert als Propan, fällt die CO₂-Abgabe für Heizöl absolut höher aus.
| Kostenfaktor | Flüssiggas | Heizöl EL |
|---|---|---|
| Brennstoffpreis (Richtwert 2026) | 0,062 €/kWh | 0,105 €/kWh |
| CO₂-Abgabe (65 €/t) | 0,014 €/kWh | 0,017 €/kWh |
| Tankmiete oder Abschreibung Tank | 0,003–0,006 €/kWh | 0,002–0,004 €/kWh |
| Gesamt (Richtwert) | 0,079–0,082 €/kWh | 0,124–0,126 €/kWh |
Alle Werte sind Richtwerte inkl. MwSt. Regional- und anbieterabhängige Schwankungen sind möglich. Preise ohne Gewähr.
Kostenrechnung: Einfamilienhaus mit 20.000 kWh/Jahr
Ein Einfamilienhaus mit ca. 150 m² Wohnfläche, Baujahr 1990er, mittliger Dämmung, hat einen typischen Wärmebedarf von rund 20.000 kWh pro Jahr. Ein moderner Gas-Brennwertkessel mit Jahresnutzungsgrad von 95 % bzw. ein Öl-Brennwertkessel mit 92 % benötigen folgende Brennstoffmengen:
Jahresrechnung 2026 – Einfamilienhaus (20.000 kWh Wärmebedarf)
Richtwerte 2026. Wirkungsgrad Gas-BWK: 95 %, Öl-BWK: 92 %. Tankmiete/Abschreibung nicht eingerechnet. Preise ohne Gewähr.
Der Unterschied von rund 1.100 Euro pro Jahr ist signifikant. Allerdings: Wer heute noch eine funktionierende Ölheizung betreibt, muss den Wechselaufwand gegenrechnen. Die Amortisationszeit einer neuen Flüssiggas-Anlage liegt bei realistischer Rechnung bei 8–12 Jahren, abhängig von Förderungen und Preisentwicklung.
Wer ist Flüssiggas geeignet?
Flüssiggas und Heizöl teilen dieselbe Zielgruppe: Gebäude ohne Anschluss an das öffentliche Erdgasnetz. In Deutschland sind das nach Schätzungen des DVGW rund 5 Millionen Haushalte, die weder an Erdgas noch an Fernwärme angeschlossen sind – vor allem in ländlichen Regionen.
Flüssiggas passt besonders, wenn...
- kein Erdgasnetz in der Region vorhanden ist
- das Gebäude in einem Wasserschutzgebiet liegt (Heizöl teils verboten)
- das Gebäude in einem Hochwassergebiet liegt
- Kellerraum für andere Zwecke benötigt wird (Tank geht nach draußen)
- Gas auch zum Kochen genutzt werden soll
- die bestehende Ölheizung ersetzt werden soll und eine Brennwertlösung gewünscht ist
Heizöl bleibt sinnvoll, wenn...
- eine neuwertige Ölheizung noch viele Jahre läuft und kein Investitionsdruck besteht
- der Öltank im Keller neuwertig ist und viele Jahre hält
- kein geeigneter Außenbereich für einen Flüssiggastank vorhanden ist
- ein mittelfristiger Wechsel zur Wärmepumpe geplant ist und keine Übergangsanlage gewünscht wird
Tank: mieten, kaufen, unterirdisch oder oberirdisch
Der Flüssiggastank steht – anders als ein Öltank – im Außenbereich. Es gibt zwei Grundoptionen: Tank mieten oder kaufen, und: oberirdisch oder unterirdisch einbauen.
Mieten vs. kaufen
| Kriterium | Tank mieten | Tank kaufen |
|---|---|---|
| Anfangsinvestition | 0 € (Mietvertrag) | 1.500–4.000 € |
| Laufende Kosten | 150–350 €/Jahr Miete | nur TÜV-Prüfung alle 10 J. |
| Anbieterbindung | Ja (5–10 Jahre) | Nein, freie Anbieterwahl |
| Wartung/Reparatur | Anbieter übernimmt | Eigentümer verantwortlich |
| Empfehlung | für kurzen Planungshorizont | langfristig günstiger |
Oberirdisch vs. unterirdisch
Oberirdischer Tank
- + Günstigere Installation (1.000–2.000 €)
- + Einfachere Inspektion und Befüllung
- – Sichtbar im Garten
- – Grösster Temperaturschwankungen ausgesetzt
- – Sicherheitsabstände zu Gebäuden erforderlich
Unterirdischer Tank (Erdtank)
- + Nicht sichtbar, Garten bleibt frei
- + Gleichmäßige Temperatur, stabile Verdampfung
- + Geringere Sicherheitsabstände nötig
- – Höhere Installationskosten (2.500–5.000 €)
- – Auftriebssicherung nötig bei hohem Grundwasser
Typische Tank-Größen für Einfamilienhäuser: 2.700 L (ca. 1.350 kg Propan) und 4.850 L (ca. 2.400 kg Propan). Befüllung erfolgt durch Tankwagen, Minimum-Abrufe ab 300 kg üblich.
Installationskosten im Vergleich
Wer von einer Ölheizung auf Flüssiggas wechselt, trägt Kosten für den neuen Kessel, die neue Abgasleitung, die Tankanlage und die Entsorgung des Öltanks. Wer eine neue Ölheizung installiert, zahlt ähnlich viel – ohne den Vorteil der günstigeren Betriebskosten.
| Kostenposition | Neue Flüssiggas-Anlage | Neue Ölheizung |
|---|---|---|
| Gas/Öl-Brennwertkessel inkl. Einbau | 5.000–9.000 € | 6.000–10.000 € |
| Abgasleitung (Kamin/Edelstahlrohr) | 500–1.500 € (Kunststoffrohr) | 1.000–3.000 € (Edelstahl) |
| Tank inkl. Installation | 1.500–5.000 € (ob./erd.) | 500–2.000 € (Keller-Tank) |
| Entsorgung Öltank (bei Wechsel) | 500–1.500 € | entfällt |
| BEG-Förderung (Bundesförderung eff. Gebäude) | bis zu 15 % möglich | keine Förderung ab 2026 |
| Gesamtkosten (Richtwert) | 8.000–17.000 € | 8.500–15.000 € |
CO₂-Emissionen im Vergleich
Flüssiggas emittiert weniger CO₂ als Heizöl – das liegt an der günstigeren Molekülstruktur von Propan (mehr Wasserstoff, weniger Kohlenstoff im Verhältnis). Die Differenz von rund 20 % ist kein Marketingargument, sondern Chemie.
| Brennstoff | CO₂-Emissionen (g/kWh Hu) | CO₂-Emissionen (kg/Jahr, 20.000 kWh) | vs. Heizöl |
|---|---|---|---|
| Flüssiggas (Propan) | 214 g/kWh | 4.505 kg | –20 % |
| Heizöl EL | 266 g/kWh | 5.652 kg | Referenz |
| Erdgas H (Vgl.) | 201 g/kWh | 4.221 kg | –25 % |
| Bio-LPG (Futuria Propan) | 80–120 g/kWh | 1.680–2.520 kg | –55 bis –70 % |
Über die reinen Verbrennungsemissionen hinaus schützt Flüssiggas das Grundwasser: Als Kohlenwasserstoff der Wassergefährdungsklasse 0 (WGK 0) ist es nicht wassergefährdend. Heizöl gehört zur WGK 2 (deutlich wassergefährdend). Ein Tank-Leck, das bei Heizöl zu einem teuren Bodengutachten und einer Sanierung führt, hat bei Flüssiggas keine Boden- oder Grundwasserfolgen – das Gas verdampft einfach.
Wer seinen CO₂-Ausstoß weiter reduzieren will, kann auf Bio-LPG (biogenes Flüssiggas) setzen. Es wird aus Rest- und Abfallstoffen hergestellt, ist technisch identisch mit fossilem LPG und braucht keine Umrüstung der Anlage. In Deutschland vertreibt PRIMAGAS unter dem Namen "Futuria Propan" ein solches Produkt.
Wechsel von Heizöl auf Flüssiggas: Was ist nötig?
Eine Ölheizung lässt sich nicht direkt auf Flüssiggas umrüsten – der Öl-Brenner und die Gasdüsen sind technisch nicht kompatibel. In der Praxis bedeutet der Wechsel den Einbau eines neuen Gas-Brennwertkessels. Das ist der größte Kostenpunkt, aber auch die Gelegenheit, auf moderne, effiziente Technik umzusteigen.
Energieberater beauftragen
Ein BAFA-gelisteter Energieberater prüft, ob Förderungen (BEG) beantragt werden können, und erstellt einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP). Kosten: 1.000–2.500 €, davon 80 % förderfähig.
Flüssiggasanbieter auswählen und Tankstandort festlegen
Drei bis vier Angebote einholen. Dabei: Tankgröße, Standort (ober-/unterirdisch), Miet- oder Kaufmodell klären. Mindestabstände zu Gebäuden, Grundstücksgrenzen und Öffnungen laut TRF 2012 beachten.
Öltank entleeren und entsorgen lassen
Öltank-Entsorgung durch zertifizierten Fachbetrieb: Restöl absaugen, Tank reinigen, demontieren, entsorgen. Kosten: 500–1.500 €. Einige Flüssiggasanbieter bieten diesen Service an oder vermitteln Partner.
Neuen Gas-Brennwertkessel einbauen
Der Heizungsbauer installiert den neuen Kessel, schließt ihn ans Gaszuleitungsnetz (Hausinstallation) an und verlegt eine neue Abgasleitung. Gas-Brennwertkessel können mit einem Abgasrohr aus Kunststoff (PP) ausgeführt werden – günstiger und platzsparender als ein Edelstahl-Schornstein für Öl.
Tankanlage abnehmen lassen (ZÜS-Prüfung)
Flüssiggastanks ab 1.000 Litern unterliegen der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und müssen vor Inbetriebnahme sowie alle 10 Jahre durch eine zugelassene Überwachungsstelle (ZÜS) geprüft werden.
Vor- und Nachteile im Überblick
Flüssiggas (LPG / Propan)
Vorteile
- + Bis zu 20 % weniger CO₂ als Heizöl
- + Kein Ruß, kein Feinstaub, kein SO₂
- + Nicht wassergefährdend (WGK 0)
- + Tank darf in Wasserschutzgebieten stehen
- + Günstigere Abgasleitung (Kunststoff möglich)
- + Kellerraum bleibt frei
- + Kein Heizölgeruch
- + Mehrfachnutzung (Kochen, Warmwasser)
- + Bio-LPG als klimaschonendes Upgrade möglich
- + Geringere CO₂-Abgabe je kWh
Nachteile
- – Tank benötigt Außenfläche
- – Mindestabstände zu Gebäuden einhalten
- – Butan-Anteil problematisch bei Frost
- – Bei Mietvertrag Anbieterbindung
- – ZÜS-Prüfpflicht für Tank
Heizöl EL
Vorteile
- + Hoher Heizwert pro Liter (10 kWh/L)
- + Großer Vorrat im Keller lagerbar
- + Preisgünstiges Kaufjahr möglich (Jahresvorrat)
- + Bewährte, weit verbreitete Technik
- + Kein Außentank erforderlich
Nachteile
- – Höhere CO₂-Emissionen (+20 % vs. LPG)
- – Wassergefährdungsklasse 2 – Leck = Katastrophe
- – Verboten oder auflagenpflichtig in Wasserschutzgebieten
- – In Hochwasserschutzgebieten verboten (neue Anlagen)
- – Heizölgeruch im Keller und beim Befüllen
- – Kein BEG-Förderzugang ab 2026
- – Höhere CO₂-Abgabe je kWh
- – Teurer Edelstahl-Schornstein erforderlich
- – Kellerplatz wird belegt
Fazit
Flüssiggas schlägt Heizöl auf fast allen Vergleichsdimensionen: geringere CO₂-Emissionen, niedrigere Betriebskosten bei aktuellen Marktpreisen, keine Gefährdung für Boden und Wasser, bessere Förderfähigkeit und weniger Einschränkungen beim Aufstellungsort. Der Heizwert von Propan pro Kilogramm ist höher als der von Heizöl pro Liter – der Preisvorteil ist daher noch größer, als ein roher Kilogramm-Liter-Vergleich suggeriert.
Heizöl hat nur dann einen konkreten Vorteil, wenn eine funktionstüchtige Anlage mit neuwertigem Tank noch viele Jahre läuft und kein Investitionsdruck besteht. Wer ohnehin eine neue Heizung braucht, wählt bei fehlender Erdgasanbindung in aller Regel Flüssiggas – oder springt direkt zur Wärmepumpe, sofern das Gebäude ausreichend gedämmt ist.
Der mittelfristige Ausblick spricht gegen beide fossilen Brennstoffe: Der CO₂-Preis steigt, die EU-ETS-2-Regulierung greift ab 2027/2028 auch für Gebäude. Wer heute in Flüssiggas investiert, kauft Zeit – und kann später auf Bio-LPG oder eine Hybrid-Wärmepumpe wechseln, ohne die gesamte Infrastruktur abzureißen.